Veröffentlicht: 25. April 2014 in Hostserver.

Zum jährlichen Forum der deutschsprachigen Registrierungsstellen kamen am 20. und 21. Februar 2014 in Salzburg Vertreter der DENIC, nic.at und SWITCH sowie deren Registrare zusammen. Die brisanten Themen in diesem Jahr waren die Internetsicherheit bzw. die Kontrolle über Daten und Informationen (nach den Veröffentlichungen von Snowden) sowie die Einführung der neuen Domainendungen.

Der erste Tag war vom Thema Netzpolitik bestimmt: die Internationalisierung von ICANN, der Vergabestelle von generischen Domainendungen, stand genauso auf der Tagesordnung wie das Thema Internetsicherheit und das Modell der Multistakeholder. Per Videobotschaft sprach sich auch die Bundesjustizministerin Brigitte Zypries für dieses Modell aus und betonte, dass das momentan existierende Rechtssicherheitssystem verbesserungswürdig sei.

Der Vortrag mit dem Titel „Internet Governance am Scheideweg“ und die Frage wie groß der Einfluss der Regierungen auf das Internet sein sollte, standen im Mittelpunkt des folgenden Pannels. Leider blieb es bei den vorbereiteten Statements der Teilnehmer, neue spannende Forderungen nach mehr oder weniger Beteiligung der Regierungen wurden nicht formuliert.
Das aktuelle Thema Internetüberwachung rückte schnell in den Mittelpunkt und es folgte eine spannende Diskussion mit dem Titel „Post-Prism: Wie viel Überwachung braucht das Internet?“. Eine Frage die viele aufgrund der NSA Affäre rund um die Veröffentlichungen von Edward Snowden beschäftigt. Die Datenschutzaktivisten Rena Tanges und Max Schrems standen Peter Grinding vom Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismus gegenüber . Und damit zwei Parteien mit unterschiedlichen Ansichten zum Thema Überwachung, Datenschutz und Sicherheit. Tanges betonte, dass die Diskussion um Überdachung nicht über Freiheit und Sicherheit stehen dürfe. Herr Grinding seinerseits erwiderte, dass jeder Staat in der Verantwortung steht, die Sicherheit seiner Bürger zu gewährleisten, um diese vor Angriffen und Terrorismus zu schützen.

Der Nachmittag war den neuen generischen Domainendungen (nTLDs) gewidmet und wurde von Dirk Krischenowski (dotBERLIN® GmbH & Co. KG) eingeleitet. Sein Ausblick auf die Entwicklung der neuen Domainendungen und auch die Vorträge von den Vertretern der Endungen .voting, .tirol, .tui oder .org waren sehr optimistisch. Der positive Trend, den die Redner dieser Runde zu vermitteln versuchten, ist hinsichtlich der aktuellen Domainregistrierungszahlen für neue Domainendungen nicht absehbar. Aktuell wie zum Zeitpunkt der Konferenz liegen die Registrierungszahlen für neue Domainendungen weit unter den Erwartungen, und so war unter den teilnehmenden Registraren auch kein Optimismus für die intensive Vermarktung von neuen Domainendungen spürbar.

Zum Abschluss beschäftigte sich Rechtsanwalt Florian Hitzelsberger (domain-recht.de) in einem Vortrag mit dem Titel „Die New gTLDs – Ein Juristeneldorado“ mit den rechtlichen Vorgaben der ICANN zum Schutz von Markeninhabern. Diese können ihre Marke im Trade Mark Clearing House (TMCH) eintragen lassen, um diese vor Missbrauch zu schützen. Nach einem großen Aufschrei der Markeninhaber im Vorfeld der Einführung der neuen Domainendungen wurden bisher nur 26.000 Marken in im TMCH eingetragen. Verglichen mit den allein ca. 60.000 Anträgen jährlich beim Deutschen Patentamt ist dies eine sehr geringe Zahl. Die Frage, ob es sich bei der Einführung der neuen Domainendungen um ein Juristeneldorado handele, bejahte Florian Hitzelsberger und verwies dabei u.a. auf das Bewerberhandbuch der ICANN hin, das sich mehr mit juristischen als mit technischen Fragen auseinandersetzt.

Damit endete ein spannender Tag mit vielen Themen und Gesprächen. Der Veranstalter nic.at bot im Anschluss den Teilnehmern des Domain Pulse ein unterhaltsames Abendprogramm auf der Zistelalm mit gutem Essen, Musik und einem herrlichen Ausblick in 1200 Metern Höhe.

Der zweite Tag der Domain Pulse 2014 war dem Thema Internetüberwachung gewidmet.

Besonders beeindruckend war der Vortrag über „Big Data“, präsentiert von Viktor Mayer-Schönberger.  Er zeigte auf, welche Möglichkeiten es gibt Daten in großem Maße zu sammeln und wie diese Sammelwut unser Leben heute und in der Zukunft beeinflusst. Auffallend bei dem Vortrag des Professors für Internet Governance war die unkritische Betrachtung des Themas Datensammlung/Datenschutz.

Und damit war der folgende Vortrag „Legal-Illegal-Scheißegal“ von Wolfie Christle ein guter Kontrast. Er machte darauf aufmerksam,  wie unvorsichtig die Gesellschaft und jeder einzelne mit privaten und sensiblen Daten umgeht und Konzerne mit diesen Daten zu Zwecken der Marktforschung bedient. Dies zeigte er an Hand des Onlinespiels datadealer. (http://www.datadealer.com/de)

Nach zwei Tagen endete die größte und wichtigste Fachveranstaltung zum Thema „Domains, DNS und Internet“ in Salzburg mit über 300 Teilnehmern. Die Domain Pulse 2015 findet in Berlin statt und wird mit Spannung von der Community erwartet.

http://www.domainpulse.at/de
http://www.domainpulse.at/de/impressionen

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