Veröffentlicht: 15. Mai 2016 in Domains & DNS.

Unter erhöhen Sicherheitsmaßnahmen trafen sich beim 55. ICANN Meeting in Marokko die Mitglieder der globalen Inernetcommunity.
Bei dem vergleichsweise kleinen Treffen wurde ein großer Schritt in Richtung der Unabhängigkeit des Internets gegenüber der US-Regierung erreicht. Nach zwei Jahren Arbeit, mehr als 200 Treffen und 1400 Arbeitsstunden konnte schließlich einen gemeinsamen Vorschlag der unterschiedlichen Interessengruppen eingereicht werden, wie das Internet ohne die Aufsicht der US-Regierung verwaltet werden soll.
Zukünftig soll die ICANN selbstständig, ohne den Einfluss einer bestimmten Regierung, die DNS Rootzone und die zentralen Datenbanken für IP-Adressen und Protokollnummern verwalten.
Die Verwaltung der IANA würde der ICANN unterstehen. (https://blog.hostserver.de/50-icann-meeting-in-london-iana-domainendungen-und-datenschutz/)

Der eingereichte Vorschlag der bei positiver Prüfung durch die US-Regierung zum September diesen Jahres in Kraft treten würde, beinhaltet ein kompliziertes Geflecht aus gegenseitigen Kontrollmechanismen.
Im Vordergrund des Vorschlags steht die Klarstellung der technischen Funktion der IANA. Für die Internetcommunty ist es ein großer Schritt, denn dies zeigt eine gute Entwicklung und ein Vorankommen des Internet Governance Prozesses, in dem Entscheidungen durch die unterschiedlichen Mitglieder vorgelegt, diskutiert und entschieden werden. Das eingereichte Proposal sieht vor, dass die Internetcommunity mehr Einfluss auf die Entscheidungen innerhalb der ICANN haben soll. Zukünftig würde diese mitreden können, wenn es beispielsweise um das ICANN Budget, der ICANN Statuten und selbst wenn es um die Ablösung einzelner ICANN Direktoren geht. Gleichzeitig wird den Mitgliedern ein Recht auf Kontrolle und Untersuchungen zugesprochen.
Für den Nutzer hat die Übertragung der IANA-Funktionen nur eine wichtige Voraussetzung: das Domain Name System soll weiterhin stabil bleiben!

Die Internetcommunity stärkt damit die Funktion der ICANN und hat weiterhin starken Einfluss auf Entscheidungen der Organisation.

Das der Vorschlag eingereicht werden kann, war zu Beginn des Meetings nicht absehbar, da sich einige Staaten gegen den Vorschlag aussprachen und sogar mit einer Blockade drohten. Letztendlich zeigten diese sich jedoch einsichtig und einigten sich darauf, keine förmliche Beschwerde einzureichen. Da der Vorschlag nicht einstimmig angenommen wurde, ist mit weiterer Kritik einiger Länder zu rechen. Deren Hauptkritikpunkte bestanden darin, dass die Regierungen durch den Vorschlag, aus ihrer Sicht, nicht genug Einfluss auf Entscheidungen nehmen können.

Trotz der Bedenken einiger Teilnehmer über die Sicherheit eines Meetings in Marokko war es ein seht positives Meeting mit vielen Vertretern aus Afrika und der arabischen Welt.

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